Geschichte

Walter und Edith Pischl, Gründer des Walter Zoos

Herkunft – Familie – Lebensvision

Walter Pischl, österreichischer Vollblutartist, bereiste in verschiedenen Zirkussen die Schweiz. Mit dem Zirkus Nock gastierte er in Herisau und lernte seine zukünftige Frau, Edith Linder, kennen. Zusammen reisten sie mit dem Zirkus umher und traten als die «Waltons» mit ihrer Hunde- und Affenrevue auf.

Doch der Wunsch, sesshaft zu werden, wurde grösser und die Familie entschloss sich, inzwischen gewachsen durch die Töchter Rita und Edith, in Hundwil ein Bauernhaus zu mieten. Einen zweiten Herzenswunsch wollte sich Walter Pischl erfüllen: Als begnadeter Tierlehrer und grosser Tierfreund lag es ihm am Herzen, die Tiere den Menschen näher zu bringen. Er begann, Vorträge zu halten und nahm dabei die Tiere, von denen er sprach, gleich mit an den Vortragsort. Besonders die Schulen zeigten Interesse an diesen hautnahen Vorstellungen. So entstand die Schultierschau, wie sie der Walter Zoo noch heute anbietet.

Aus dem Artisten Walter Pischl wird der Tierli-Walter

Tiere gehörten bei der Familie Pischl ganz einfach dazu. Der Tierli-Walter, wie er mittlerweile von allen liebevoll genannt wurde, lernte die Tiere in und auswendig kennen, weil er Tag und Nacht mit ihnen zusammen war. Viele Tierbabys wurden von Hand aufgezogen, gefüttert, versorgt, gestreichelt. Dadurch konnte Walter Pischl die so zahm gewordenen Tiere mit in die Schulen nehmen. Es wundert nicht, dass der Besuch des Tierli-Walters den Menschen unvergesslich blieb. Wo bekam man sonst die Gelegenheit, einen Schimpansen von so nahe zu sehen, eine Schlange zu berühren oder gar ein Tigerbaby zu streicheln?

Doch sein Bekanntwerden als Tierfreund hatte auch einen Nachteil. Immer mehr Leute brachten der Familie Tiere; kranke Tiere, Tiere, die keinen Platz mehr hatten, Tiere, die niemand mehr haben wollte. Beim Tierli-Walter fanden alle einen Platz, doch er musste sich etwas einfallen lassen. Er brauchte mehr Platz, mehr Gehege, mehr Futter und letztendlich auch mehr Geld.

1961 entschloss sich die Familie Pischl-Linder, von Hundwil nach Gossau zu ziehen. Immer mehr tierische Mitbewohner kamen dazu und auf der Wiese hinter dem Haus entstand dementsprechend ein neues Gehege nach dem anderen.

Vom Tierli-Walter zum Abenteuerland Walter Zoo

Immer mehr Menschen wollten sehen, was für sonderbare Tiere in den Gehegen der Familie Pischl lebten. So kamen immer mehr Spaziergänger vorbei. Um die Unterhaltskosten besser decken zu können, entschloss sich die Familie, Eintritt zu verlangen. Das erste Kassenhäuschen entstand. Viele neue Tierfreunde fanden den Weg nach Gossau zum Tiergarten Walter. Sie nahmen aber auch die finanziellen Schwierigkeiten der Familie wahr und so wurde 1963 der WALTER ZOO Verein ins Leben gerufen. Der Tiergarten Walter konnte überleben.

Neue Anlagen für die Tiere wurden nötig. 1973 entstand das «alte» Affenhaus, ein Grossprojekt für die Familie Pischl. Dank dem Walter Zoo Verein konnte 1980 neues Land gekauft werden. Darauf wurden dann 1983 der Huftierstall und dem Weg entlang neue Vogelvolièren eingerichtet. 1985 übergaben Walter und Edith Pischl den Zoo an Gabi (jüngste Tochter) und Ernst Federer. Aus dem Tierli-Walter wurde der Walter Zoo. Mit Elan gingen die neuen Besitzer an den weiteren Ausbau. Bereits 1986 fand der Spatenstich für das Zoorestaurant mit Tropenhaus und der Aussenanlage für die Alligatoren statt.

Ausbau des Zoos - Erhalt der Tradition

Während auf dem Zoogelände immer neue Gehege entstanden, mussten auch immer neue Ideen für die Beschaffung der finanziellen Mittel gefunden werden. Ein Standbein war weiterhin, und ist bis heute, die Schultierschau. Walter Pischl war auch weiterhin bestrebt, den Menschen die Tiere und die Natur ans Herz zu legen.

Auch das Arbeiten mit den Tieren blieb ein bedeutender Bestandteil des Zoos. Die Tiere wurden beschäftigt und für die Besucher gab es immer wieder neue Attraktionen zu sehen. Dazu gehörten Walters Hundenummer, die Seelöwenshow, eine Raubtiernummer und vieles mehr.

Doch die Wetterabhängigkeit machte dem Zoo immer wieder zu schaffen. Die Idee, ein kleines Zirkuszelt aufzustellen, um die Vorführungen unter Dach zeigen zu können, nahm Gestalt an. So konnten wir die Shows nicht nur auswärts aufführen, sondern auch im Zoo selbst. Eine besondere Auszeichnung erlangte Gabi Federer 1991. Sie siegte im Schweizer Showtalentwettbewerb mit ihrer Hauskatzennummer. Ein grösseres Zirkuszelt wurde angeschafft und die Shows wurden Bestandteil des Angebotes im Zoo. So konnten die Besucherzahlen durch die neu gewonnene Wetterunabhängigkeit gesteigert werden.

Vom kleinen Zoo zur AG mit 60 Mitarbeitern

Neue Bauten wurden geplant und ausgeführt. Insbesondere der Bau der neuen, grosszügigen Schimpansenanlage brachte grosses Ansehen. 1995 verstarb Walter Pischl unerwartet. Er gründete den Zoo nicht nur, sondern gestaltete und prägte ihn bis zu seinem letzten Tag mit. Edith Pischl ist immer noch jedes Wochenende an der Zookasse anzutreffen.

2001 entschloss sich die Direktion, aus dem Privatzoo eine Aktiengesellschaft zu machen. Seit 2006 wird der Zoo durch einen jährlichen Standortbeitrag der Stadt Gossau unterstützt und ist seit 2007 eine gemeinnützige Aktiengesellschaft. Der Verwaltungsrat setzt sich heute aus Paul Scheiwiller (Präsident), Alex Brühwiler (Stadtpräsident Gossau), Bruno Damann (Präsident Gönnerverein), Colin Schwarzwald (Direktor der Klinik für Pferdemedizin, Tierspital Zürich) sowie Ernst Federer (Zoodirektor) zusammen. Paul Scheiwiller präsidiert auch die neben ihm aus Ernst Federer, Gabi Federer Greulach, Jeannine Federer und Karin Federer bestehende Geschäftsleitung.

Unermüdlich wird an der Weiterentwicklung des Zoos weitergearbeitet. So wurde die Erneuerung der Raubtieranlagen ins Auge gefasst. Leoparden, Tiger und Löwen sollten mehr Platz erhalten. 2009 wurden die neue Tigeranlage und das Oktagon (mit Räumlichkeiten für Sitzungen und Seminare) eingeweiht. Die Serengetianlage für die Löwen ist geplant und wird realisiert, sobald die Finanzierung sichergestellt ist. Schön zu wissen ist, dass auch bei der 3. Generation mit den Töchtern Jeannine (Artistin) und Karin Federer (Tierärztin) ein grosses Interesse zu spüren ist, den Zoo zu erhalten und weiterzuführen.

  • Historie Abenteuerland Walter Zoo
    1961Zoogründung durch Walter und Edith Pischl
    1963Gründung Walter Zoo Verein
    1973Bau «altes» Affenhaus (heutiges Reptilienhaus)
    1983Bau Heufresserstall
    1985Übernahme durch Gabi und Ernst Federer
    1986Bau Restaurant und Tropenhaus
    1993Bau neue Schimpansenanlage
    1995Todesjahr des Zoogründers Tierli Walter
    2001Umwandlung in eine AG
    2006Beteiligung der Stadt Gossau
    2007Umwandlung in eine gemeinnützige AG
    2009Übernahme Speiserestaurant Panorama
    2009Eröffnung Tigeranlage und Oktagon
    2015Start Bau der Löwenanlage